PKV-Kennzahlen 2014: Welche PKV wackelt?

PKV-Kennzahlen 2014


Mein Unternehmen, die KVpro.de GmbH, ist der Informationsdienstleister und Marktbeobachter des Krankenversicherungsmarktes in Deutschland. In meiner Rolle als Geschäftsführer und unabhängiger Experte habe ich die PKV-Kennzahlen 2014 analysiert.

Vor dem Hintergrund der weiterhin andauernden Niedrigzinsphase an den internationalen Finanzmärkten und des daraus resultierenden turbulenten Marktumfeldes für alle deutschen Versicherer, sowie den volatilen Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt, sind die Ergebnisse der PKV-Versicherer für das Geschäftsjahr 2014 weiterhin bemerkenswert, aber auch logisch, denn eine PKV finanziert sich durch Beiträge seiner Versicherten und Zinseinnahmen.

Trotz Niedrigzins – gute Ergebnisse auf der Kapitalanlageseite

Bei Betrachtung der Nettoverzinsung (B.5) über die letzten fünf Jahre (2010 bis 2014) wurde folgendes festgestellt: Spitzenreiter im Schnitt der letzten fünf Jahre ist die Debeka mit 4,83% (2014 mit 4,50%) gefolgt von der DEVK 4,43% (2014 mit 3,98%), der Allianz 4,30% (2014 mit 4,10%) und HanseMerkur 4,30% (2014 mit 4,70).

Siehe Tabelle unten: Spalte Nettoverzinsung 5 Jahre(2010-2014) und 2014

Zum Vergleich: Der niedrigste Wert liegt bei 3,04% LKH (im Vorjahr hatte der Münchener Verein 3,00 und jetzt in 2014 3,32%). Insgesamt zeigt der Fünf-Jahresdurchschnitt in 2014 trotz instabilem Marktumfeld je nach Gesellschaft teils eine leichte Tendenz nach oben.

15 Unternehmen stellen beim Nettozins eine Vier, alle anderen eine Drei vor das Komma.

Die höchste Nettoverzinsung (B.5) im Jahr 2014

Zu 2013 ändert sich die Rangfolge. HanseMerkur erzielt 4,70% Nettozins (Vorjahr 4,60%) Provinzial 4,60% (Vorjahr 4,10%) und die Debeka 4,50% (Vorjahr 4,80%). Den niedrigsten Wert erzielt zum zweiten Mal die LKH mit 2,60% (im Vorjahr 2,90%). Die LKH weist jedoch gleichzeitig auch die höchste RfB-Quote (A.2) mit 78,60% (Vorjahr 73,20%) aus. Diese Mittel kann sie zur Milderung für Beitragsanpassungen einsetzen.

Siehe Tabellen unten: Spalte Nettoverzinsung 2014

Bis auf vier Unternehmen erreichte die gesamte Branche somit – trotz schwerem Marktumfeld – einen Rechnungszins von über 3,5%. Dieses Ergebnis trägt insbesondere zur Beitragsstabilisierung der Policen bei, die vor dem 21.12.2012 begonnen haben. Für Unisexkunden, also Policen, die einen Versicherungsbeginn 01.01.2013 tragen, beträgt der garantierte Rechnungszins 2,75%. Es ist davon auszugehen, dass bei künftigen Beitragsanpassungen im Bisexbestand der Rechnungszins gesenkt werden muss.

Zinsergebnisse drücken Beitragsanpassungen

Mit dem Rechnungszins von 3,5% (Bisex) und 2,75% (Unisex) werden die für später zurückgelegten Alterungsrückstellungen in den Kollektiven verzinst. Der Verbraucher muss einen geringeren Beitrag aufbringen, da die Zinseinnahmen im Ergebnis wie Beiträge zu verstehen sind. Diese Effekte gibt es bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mangels Zinserträgen nicht.

Ein Zauberwort namens Überzins:

Von dem 3,5% für Bisex- und 2,75% für Unisexversicherte übersteigenden Teil der Zinsen, erhält der Verbraucher, gesetzlich garantiert, zusätzlich 90% des 3,5% bzw. 2,75% übersteigenden Teils der Zinsen als weitere Gutschrift. Im Fachjargon Überzinsgutschrift genannt.

Beispiel Bisex: Die Debeka erwirtschaftete 2014 einen Zins von 4,50% abzgl. 3,50% des garantierten Rechnungszinses (Bisex). Ergibt einen Überzins von 1,00%. Davon 90%, das sind 0,90%. Die Kunden im Kollektiv erhalten somit insgesamt 4,40% (3,5 plus 0,90) an Zinsgutschrift auf die im Tarif zurückgelegten Alterungsrückstellungen.

Beispiel Unisex: Für neu abgeschlossene Unisex-Policen ab dem 21.12.2012 gilt: Aufgrund der Absenkung des garantierten Rechnungszinses von 3,5% auf 2,75% beträgt der Überzins 1,75%, (4,50% minus 2,75%) hiervon 90%, ergibt einen Überzins von 1,575%. Die Höhe der Zinsgutschrift auf die Alterungsrückstellung beträgt somit 4,33%.

Die GKV kennt ein solches Modell, Zinseinahmen auf Alterungsrückstellungen, nicht.

Exkurs Rechnungszins 0%:
4,50% der Debeka in 2014 ergibt eine Zinsgutschrift von 4,50 mal 90% durch die Überzinsgarantie. Somit gehen in die AR 4,05% ein. Klar, der PKV-Beitrag wäre bei 0% höher. Aber auch hier muss fairerweise ein Vergleich zum Beitrag einer GKV hergestellt werden.

Entwicklung der Vollversicherten-Zahlen 2014 – Wachstum

Betrachtet man die Entwicklung der Vollversicherten bei den einzelnen Gesellschaften, zeigen sich differenzierte Ergebnisse: Den stärksten Zuwachs in 2014 erreichten die Concordia mit 3,82% (Vorjahr 0,46%), die R+V mit 2,08% (Vorjahr 2,58%), die Debeka mit 1,32% (Vorjahr 1,27%) gefolgt von der HUK-Coburg 1,04 % (Vorjahr 1,11%). Hierbei gilt es, die unterschiedlichen „Wachstums-Strategien“ der einzelnen Unternehmen der Vorjahre zu beachten. Insbesondere auch die Bestands- und Unternehmensgröße im Bezug auf die echten neuen „Köpfe“ im Vergleich.

Siehe Tabelle unten: Spalte Wachstum Vollversicherte 5 Jahre (2010 – 2014)

Die Central verzeichnet mit -5,60% (Vorjahr -9,19%) den höchsten Rückgang.

RfB-Quote 2014 (A.2)

Die RfB-Quote (Rückstellung für erfolgsabhängige Beitragsrückerstattungen) bringt zum Ausdruck, in welchem Umfang – bezogen auf die Beitragseinnahmen – einem Unternehmen zusätzlich Mittel für

  • Beitragsentlastungen (über die Alterungsrückstellungen und § 12a VAG hinaus),
    hierunter fallen Beitragsreduzierungen, Milderung von Beitragsanpassungen oder Finanzierung von Mehrbeiträgen aufgrund Leistungsverbesserungen,
    oder
  • Barausschüttungen in Form einer Beitragsrückerstattung an den Kunden

zur Verfügung stehen.

Grundsätzlich gilt, je höher desto besser. Eine niedrige Quote kann bedeuten, dass das Unternehmen einen jungen Bestand / hohen Neuzugang hat bzw. nur in der Lage ist, weniger Rückstellungen zu bilden.

Umgekehrt kann eine hohe Quote auf einen überalternden Bestand hinweisen, es kann aber auch bedeuten, dass das Unternehmen gerade überdurchschnittlich hohe Rückstellungen aufbaut und sich in einer guten Lage befindet. Die RfB-Quote sollte daher im Zusammenhang mit Wachstum in der Vollversicherung interpretiert werden.

Die Verwendung der RfB-Mittel ist eine unternehmerische Entscheidung. So könnte zum Beispiel die LKH diese Mittel einsetzen, um mögliche Beitragsanpassungen wegen Unterschreitens des Rechnungszinses für Ihre Kunden abzufedern.

Ein Unternehmen weist eine RfB-Quote von über 10% aus. Vier von über 20%, zwölf von über 30%, elf Unternehmen von über 40%. Drei haben eine Quote von über 50% zwei weitere von über 60 und eine von über 70%.

Insgesamt ist die Zuführung zur RfB im Vergleich zum Vorjahr mehrheitlich gestiegen. Wie Wachstum und RfB-Quote sich bedingen, zeigt die Central. Kontinuierlicher Abgang an Köpfen sowie kaum Zugang lassen die RfB-Quote steigen, da die Abgänge mehrheitlich ihre Alterungsrückstellung dem aktiven Kollektiv vererben.

Siehe Tabelle unten: Spalte RfB-Quote, 5 Jahre (2010-2014) und 2014.

Zuführung zur Alterungsrückstellung 2014

Die Spanne der Zuführung zu den Alterungsrückstellungen (AR) nach Auswertung der Geschäftsberichte von 2014, liegt insgesamt zwischen 26,68% und 48,77%. [ERGO Direkt nicht einbezogen, da keine Vollversicherung]. Die Quote gibt an, wie viel Prozent der vom Verbraucher gezahlten Beiträge aller Vollversicherten im Durchschnitt in die AR zurückgelegt werden.

Von Bedeutung für die Aussagekraft der Zuführungsquote ist auch die Tarifpolitik der Versicherer. Je nachdem, ob in 2014 mehr Qualitäts- oder Grundschutzprodukte verkauft wurden.

Den höchsten Wert in der Zuführung für die AR weist in 2014 mit 48,77% die Provinzial aus. 2013 lag die höchste Zuführung bei der Alten Oldenburger mit 52,16%.

Über 40% der Beiträge führen Alte Oldenburger, Concordia, LVM, Mannheimer, Nürnberger, Provinzial, Universa den Alterungsrückstellungen zu.

Über 30% ARAG, AXA, Barmenia, Central, Debeka, DEVK, DKV, FAMK, Gothaer, Hallesche, HanseMerkur, HUK, Inter, LKH, Münchener Verein, R+V, SDK, UKV, Württembergische.

Über 20% Allianz, BK, Continentale, Deutscher Ring, Pax-Familienfürsorge, Signal.

Unter 20% liegt in 2014 kein Unternehmen [ERGO Direkt und Envivas nur Zusatzversicherung, deshalb nicht einbezogen].

Beachte bei Vergleichen: Nicht alle Kennzahlen sind unternehmensübergreifend vergleichbar. Gleichwohl geben sie eine Auskunft darüber, wie das Unternehmen für sich selbst gesehen aufgestellt ist. Wie die einzelnen Kennzahlen zueinander stehen, ein Vergleich zu und mit anderen Unternehmen, sollte innerhalb ähnlich aufgestellter Unternehmen erfolgen. Junge, Alte, Große, und Kleine, AG oder VVaG. Unternehmen mit einer, wenig oder mehreren Tarifserien.

Auch beim Vergleich der Kennzahlen gilt die Formel VW, „Von was Wieviel – verglichen mit was“. Was ist die Ausgangsbasis bzw. Ausgangszahl, auf welcher der Prozentwert aufbaut?

Somit kommt es neben dem Produkt, dem Tarif und dessen Leistungsinhalt, auch auf ein starkes Unternehmen mit einem insgesamt ausgewogenen Kennzahlen-Spiegel an. Dabei geht es nicht zwingend um Spitzenwerte in einzelnen Bereichen, sondern – wie bei einem Zehnkämpfer in der Leichtathletik auch – um die Summe aller Disziplinen. Gewinner ist der ausgewogenste Athlet.

Die Branche setzt im Zeitalter von Unisex weiter auf inhaltlich qualitative Tarife. Das preisgetriebene Neu- und Wechselgeschäft stagniert mehr und mehr, gleichwohl wird es das weiter geben. Eine PKV erlaubt die freie Auswahl von Leistung und damit gehen Beitrag und Verantwortung einher. Nur, wer viel eigenes Geld hat, kann den Inhalt seiner Police ausdünnen.

PKV-Kennzahlen 2014: Übersicht der wichtigsten Kennzahlen über alle Versicherer
Anfrage an mich