Basistarif PKV: Frontal 21 fragt Gerd Güssler

Basistarif PKV: Frontal 21 fragt KVpro-Geschäftsführer Gerd Güssler

Frontal 21 berichtete am 10. Mai 2015 zum Thema Sozialtarife der PKV – und bat mich um meine fachliche Expertise.

Zu Frontal 21 beizutragen, war erneut eine interessante Aufgabe. Am Ende wäre jeder einzelne Gesprächspunkt eine eigene Sendung Wert. Das Frontal 21-Team hat für das Thema gesetzliche und private Krankenversicherung reichlich Hintergrund erhalten.

ICH AGs

Mein Gespräch kurz zusammengefasst:

Ein Beispiel: 2003 bestanden ca. 400.000 ICH AGs. Viele davon kauften, „vermeintlich billige“, inhaltlich teils einfache Tarife der privaten Krankenversicherung (PKV) (siehe Erklärfilm im Frontal 21-Beitrag).

Viele Menschen gingen lieber in die Selbständigkeit mit deren Folgen anstatt in HartzIV und dessen Folgen.

Die im Tarif vorgesehene Wechseloption wurde kaum genutzt. Billig kann im Leistungsfall sogar teurer werden. Hinweis auf unseren „uralten“ aber aktuellen Beitrag PlusMinus aus 1995.

Klappt die Selbständigkeit nicht wie gewollt, können auch solche Situationen wie im Frontal 21-Beitrag gezeigt, entstehen.

Ulla Schmidts Pflicht zur Krankenversicherung

Die von Ulla Schmidt 2007 eingeführte Versicherungspflicht und die Folgen aus sich im realen Leben verändernden Lebensläufen, wie der in Frontal 21 gezeigte Fall eines Selbständigen aufzeigt, wurden seitens der Politik in 2007 zwar mit gutem Vorsatz eingeführt, aber heutige Probleme auch damit erst geschaffen. Später wurde mit dem Basis- bzw. Notlagentarif nicht optimal, aber nachgebessert.

HanseMerkur rechnet ab

Die HanseMerkur hat aus meiner Sicht gesetzeskonform ihre Leistung erbracht und auch abgerechnet. Jedoch so, wie der Fall im TV geschildert ist, ist zu hinterfragen, wie die Beratungsverpflichtung nach § 6 VVG angewendet worden ist. Hierauf wurde per Statement durch Thorulf Müller auch hingewiesen.

Da könnten Sie geholfen werden

Aus meiner Sicht wäre dem PKV-Kunden bereits vor dem Eintreten seiner Hilfsbedürftigkeit mit Lösungen höchstwahrscheinlich geholfen worden. Das Versicherungsunternehmen oder auch der Vermittler hätte aufgrund des Verlaufs einen Beratungsbedarf erkennen können. Vor allem aber hätte der Versicherungsnehmer als Selbstzahler rechtzeitig aktiv auf sein Versicherungsunternehmen bzw. einen Versicherungsberater zugehen und reagieren müssen.

Ein üblicher und möglicher Lösungsansatz ist dann: Zuerst PKV-Tarifwechsel innerhalb des Versicherers nach § 204 VVG prüfen, dann die „Sozialtarife der PKV“ – Standardtarif wenn vor 2009, Basistarif,… etc.

Was kann die GKV oder PKV für die Rentenhöhe?

Unabhängig davon, stellt sich die Frage nach einer passenden Altersvorsorge. Wie wurde diese während der Selbständigkeit geplant und aufgebaut? Das Nicht-Gelingen einer persönlichen Lebensplanung ist weder einer gesetzlichen noch einer privaten Krankenversicherung zuzurechnen. Viele Menschen gehen jedoch anstatt in HartzIV und dessen Folgen, lieber aus durchaus verständlichen Gründen in die Selbständigkeit mit deren Folgen. Klappt diese nicht wie gewollt, können solche Situationen entstehen.

Die Hilfsbedürftigkeit des selbständigen Rentners ist unabhängig von gesetzlicher oder privater Krankenversicherung eingetreten. In der privaten Krankenversicherung gibt es dafür den Standard-, Basis- und Notlagentarif. Der Versicherungsnehmer muss dazu aktiv werden.

Der passende PKV-Tarif

Weiter muss, damit die Alterungsrückstellung bei einem Tarifwechsel nach § 204 VVG auch wirkt, der Versicherungsnehmer aus einem adäquaten PKV-Tarif kommen. Wer billig kauft, zahlt am Ende drauf, weil im einfachen Tarif, für einfache Leistungen, eine dafür erforderliche Alterungsrückstellung kalkuliert und aufgebaut wird. Nicht mehr, denn für einen einfachen Tarif ist ein mehr an Alterungsrückstellung kalkulatorisch auch nicht notwendig.

Der in Frontal 21 gezeigte PKV-Versicherte war im KVG2 (alte Welt) der HanseMerkur mit dem Recht, in den Standardtarif zu wechseln, da er bereits vor 2009 bei der HanseMerkur seinen Versicherungsschutz beantragt hatte – ohne weitere Zusätze wie zum Beispiel Krankentagegeld. Ein einfacher Grundschutztarif, der Beitrag spart. Für einen optimalen Tarifwechsel stehen deshalb kaum Alterungsrückstellungen bereit.

Die Auszahlungsleistung hat die HanseMerkur um 20% gekürzt, da der Kunde nicht nachgewiesen hat, dass es sich bei der Arztbehandlung nicht um einen Primärarzt (Hausarzt) gehandelt hat. Das ist ein Merkmal solcher Grundschutztarife (Grundregel: Immer zuerst zum Hausarzt und von dort aus per Überweisung zum Facharzt). Das hilft dem Kunden und der Versichertengemeinschaft insgesamt, Beitrag zu sparen, so die Idee der Tarife. Nur muss man sich exakt an die Regeln halten, was im Krankheitsfall nicht immer einfach ist.

Weitsichtige Beratung hilft

Daher kommt bei der Beratung auf den „Vermittler“ eine entsprechende Verantwortung zu. Im Vergleich zum Zahlbeitrag einer gesetzlichen Krankenversicherung die Alternativen und dazu zwingend erforderliche Ergänzungen wie Berufsunfähigkeit, Krankentagegeld und Altersvorsorge zu beraten, die im Fall der Fälle ineinandergreifen. Das Beratungsergebnis ist zu dokumentieren. Nicht immer folgen jedoch die Kunden dem Rat des „Vermittlers“.

Die Versicherungsunternehmen und Vermittler sind dabei, für den Tarifwechsel-Umgang mit Basistarif PKV, Reduktion des Rechungszinses und die auf alle „ein(ge)prasselnden“ gesetzlichen Regeln die entsprechenden Strukturen zu schaffen. Das gelingt beim einen Versicherungsunternehmen schneller als beim anderen.

So dem Tenor nach meine Statements gegenüber dem Frontal 21 – Team.

Die Sendung lässt sich meines Erachtens nutzen, um einem Kunden zu helfen, Fehler bei der Produktauswahl und / oder Produkt-Zusammenstellung zu vermeiden.

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